Namen & Neues

Senat besucht Spandau: Hier Route, Ziele - und versteckte Botschaften

Veröffentlicht am 07.05.2019 von André Görke

Ob in New York oder Neumünster – so eine Hop-on-Hop-off-Tour im Touri-Bus kann anstregend sein. Rein in den Bus, raus aus dem Bus, geballtes Infotainment in kurzer Zeit … und damit sind wir auch schon bei der Reisegruppe um Michael Müller, SPD. Der Senat schmiert Stullen, füllt die Getränkeflasche und tritt am 28. Mai eine Reise an – es geht raus nach Spandau. Vorige Woche hatten wir Ihnen hier im Spandau-Newsletter versprochen, das Ausflugsprogramm zu zeigen, wenn wir es in den Händen… und hier ist es auch schon. In der ersten Reihe des Busses sitzt Bürgermeister Helmut Kleebank, SPD. Und wir schmulen hier für Sie mal auf den Reiseplan, den er mit Baustadtrat Frank Bewig, CDU, erstellt hat.

  • 1. STOP: Kulturhalle, Wasserball-Arena, Polizeiquartier.
    Los geht es am Stabholzgarten. Hinterm Rathaus Spandau muss Kultursenator Klaus Lederer, Linke, gleich mal aus dem Fenster gucken: Am Wassergraben will Spandau ein Kulturhaus bauen, mit 500 Plätzen am Ufer, Spitzname „Havelphilharmonie“. Hier gibt’s Lektüre dazu. Der Reisebus kurvt anschließend quer durch Stresow (vorbei an Uferweg, Postbrache) hinein in die Wilhelm … hey, aufpassen, Innen- und Sportsenator Andreas Geisel, SPD! In der Wilhelmstadt wird die neue 300-Millionen-Baustelle der Bundespolizei an der Knobelsdorf-Kaserne erklärt (ab 2021) und der Bau der Wasserball-Arena an der Gatower Straße. Der Bus rumpelt schließlich raus nach Gatow (Luftwaffenmuseum, Flüchtlingsheim) und weiter nach Kladow …
  • 2. STOP: Hochkultur und schönste Staufallen.
    30 Minuten Pause im Gutpark Neukladow: In der Villa mit Havel-Blick will das Zitadelle-Museum eine Außenstelle aufbauen. Das Café soll ins Nebengebäude ziehen. Und Bürgermeister Helmut Kleebank, SPD, sagte jetzt dem Spandau-Newsletter: Das dritte Gebäude hier auf dem Havel-Plateau, das Skelett des Casinos, soll nun doch abgerissen werden – hier ein Foto. „Stattdessen ist der Wiederaufbau einer historischen Scheune geplant. Sie könnte ein Veranstaltungsraum für Hochzeiten sein.“ Der Schriftsteller Johannes Guthmann hat hier vor 100 Jahren die Berliner Gesellschaft eingeladen – „der Kulturort ist also von städtischer Bedeutung“, sagt Kleebank. Hier ein paar Fotos zur Einstimmung. Weiter im Bus-Programm: Auf dem Rückweg werden dem Senat die schönsten Staufallen der Kladower und Gatower gezeigt …
  • 3. STOP: Spandaus Großsiedlungen – ohne U-Bahn.
    Über Heerstraße Nord geht’s nach Norden zum Westerwaldplatz im Falkenhagener Feld. „Heimspiel für mich“, sagte uns Bürgermeister Helmut Kleebank, 54. Der wurde dort 1964 geboren und hat als Kind die Siegerland-Grundschule besucht. Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher, Linke, wird gezeigt, wo öffentliche Gelder hingeflossen sind: Klubhaus, Schule, Platz-Neugestaltung, Kirche. Aber, so Kleebank: „Wir zeigen auch zwei Großquartiere mit vielen 10.000 Menschen, die auf eine Schienenanbindung warten. Der U-Bahn-Bau wäre besser als die Straßenbahn.“ Allerdings auch viel teurer.
  • 4. STOP: Baustelle Insel Eiswerder?
    Viele Senatoren aus der Innenstadt werden staunen, wo sich im ach so dösenden Spandau überall Kräne drehen – auch am möglichen 3500-Leute-Campus der Charité (Askanierring) kurvt der Bus vorbei. 15.000 Menschen werden in Spandaus Norden ziehen: Pepitahöfe, Maselake-Quartier, Wasserstadt, Gartenfeld. Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher, Linke, hat das mal „einen der größten Wohnungsbauschwerpunkte Berlins“ genannt. Programmpunkte hier: ein Spaziergang über Eiswerder, zu den Künstlern der Galerie „Inselspinnen“ und zu Wassersportlern am Ufer. Hier wird doch niemand auf die Idee kommen, dieses Insel-Idyll Eiswerder auch noch bebauen wollen … nicht wahr, Senatorin Lompscher? ODER?
  • 5. STOP: Spandaus Zukunft.
    Weiter geht es im Bus aufs Spandauer Festland, in die Einflugschneise des Flughafen TXL. Nach einem Stop am Mega-Wohnquartier Gartenfeld mit 3700 Wohnungen (Kleebank: „Wir brauchen die neue Brücke und eine gute S-Bahnanbindung“) rollt der Bus quer durch Siemensstadt. Logo, hier wird der Siemens-Campus gezeigt. Ab 2021 wird gebaggert. Hier endet der Ausflug.
  • Senatsausflug: Und was fehlt auf dem Programm? Schlusswort Helmut Kleebank im Spandau-Newsletter: „Gut drei Stunden dauert die Busfahrt. Wir freuen uns auf den Senat und wollen zeigen, wie groß der Bedarf nach einem besseren Nahverkehrsanschluss ist – überall in Spandau.“ Und was hätte er noch gerne gezeigt? Kleebank: „Eine gemeinsame Fahrt im überfüllten Regionalexpress im Berufsverkehr – Alltag für uns Spandauer.“ Dann würden allerdings die LKA-Personenschützer fiese Stress-Pickel bekommen, wenn plötzlich alle elf Senatoren der Hauptstadt samt Entourage in die knallvolle Regionalbahn steigen.
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    Dieser Text von André Görke ist zuerst im neuen Spandau-Newsletter vom Tagesspiegel erschienen. Den Newsletter, den wir Ihnen einmal pro Woche schicken, können Sie ganz unkompliziert und kostenlos bestellen unter leute.tagesspiegel.de. Ich freue mich auf Sie!
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